Donnerstag, 15.1.

Donnerstag, 15.1.

Grillen

Ein frz. Freund hat mal eine Zeitlang für Elf auf Gasfeldern gearbeitet. Er erzählte mir, dass bei seinen italienischen Kollegen von Agip alle paar Meter ein Espressoautomat gestanden hätte. Das kann man jetzt nicht so einfach verifizieren, aber die Geschichte klingt nett.
Was aber stimmt, ist, dass hinter dem „Zeil“ Plakat an der Baustelle ein großer Grill, mit Abzugshaube und deutlich über einem Quadratmeter Grillfläche, fest installiert ist. Daneben stehen auch Hocker und provisorische Tische, auf dem Rost liegt ein großes Bündel Feuerholz, wie es hier überall verkauft wird. Auf unserer Terrasse steht auch so ein angerostetes, aus dicken Metallplatten geschweißtes Modell. Mit 60×50 cm deutlich kleiner, aber üppig genug. Der Rauchabzug ist Teil des Geräts, kein Zierrat. Ich hatte darüber gelesen, dass es bei den Arbeitern hier Sitte sei, nach getaner Arbeit zu grillen, gemeinsam zu essen, denn Feierabend einzustimmen. Da ist also was dran.

In Uruguay schneidet man gerne große Lappen Rindfleisch längs der Faserrichtung und brät sie sehr scharf an. Gesalzen wird wenig, gepfeffert schon gar nicht, die Röstaromen  geben einen guten Geschmack und weil das Fleisch längs geschnitten ist, erleben die Kaumuskeln ein Intensivtraining.

Die nicht wenigen auf der Straße lebenden Menschen sprechen uns als Touristen schon mal an, aber hier sitzt niemand mit offener Hand. Sie sind einfach da und werden kaum wahrgenommen. Eine Ausnahme bildeten sicher die beiden jungen Frauen, die uns gestern Abend nicht weit unserer Wohnung anbettelten. Kaum älter als Zwanzig, ziemlich drauf und beide hatten deutlichen Leerstand in den Zahnreihen. Das war wohl die krasseste Begegnung diese Art, bisher.

Selbstverständlich halten sich die Wohnungslosen auch im vornehmen Pósitos auf. Seltener zwar, aber sie werden doch wahrgenommen. Erstens, weil sie an Straßenecken, meist vor Geschäften, hocken. Vor allem aber, weil sie schäbiger angezogen sind und eine deutlich dunklere Hautfarbe haben als die allermeisten in diesem Stadtteil. Vermutlich wird man sie hier auch nicht schlafen lassen.
Der Stadtstrand von Pósitos wird überwacht. Eine Gruppe Weißuniformierter geht den Strand ab und erkundigt sich bei den Besuchern, ob alles in Ordnung ist. Sollte sich jemand zu weit nach draußen wagen, wird er energisch zurückgepfiffen, die ganze Truppe ist dann in Habachtstellung. Mensch darf sich hier sicher fühlen.

Es war heute bei 32° extrem drückend. Mittlerweile ist der Himmel bedeckt und es geht ein an Kraft gewinnender Wind. Wir erwarten ein Gewitter und Abkühlung für morgen. Aber der Atlantik ist launisch, das kann sich schnell ändern. Noch wird der Wind stärker.

Das Museum für Moderne Kunst haben wir ausgelassen. Hier hat einfach über lange Zeit nichts stattgefunden und den Rest sehen wir in Europa, wo die meisten Exponate herkommen.
Interessant wäre noch das Historische Museum gewesen. Aber ein paar Reviews dazu haben gereicht. Es soll ein riesiges Sammelsurium von Waffen und Portraits reicher Eroberer und Ausbeuter sein. Die Geschichte der Ureinwohner findet überhaupt nicht statt, von einer Aufarbeitung ganz zu schweigen. Uns genügen die Büsten, Denkmäler und Reiterstandbilder, die auf die ganze Stadt verteilt sind.

Uns ist übrigens an keiner Stelle der Stadt etwas zum Thema Tupamaros und Militärdiktatur, etc. begegnet. Auch kein Gedenktafel oder irgendein anderer Hinweis wie beispielsweise in BA an vielen Stellen. Vielleicht wird das alles einfach nur weg geschwiegen und bleibt ein Thema für spätere Generationen.

Morgen ist der letzte Tag in MVD. Samstag früh bringt uns der Bus nach Punta del Este.

 

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