Freitag, 16.1.
Baustellen
Wer wissen möchte, wie ein gutes Weißbrot zu sein hat und vor allem, wie man es öffnet, bestreicht und isst, dem sei der Film „Diva“ von Jean-Jacques Beneix aus den Achtzigern ans Herz gelegt. Richard Bohringer zeigt das an der Krönung der Weißbrotbackkunst, an einem pain parisien, dem Pariser Baguette, dessen Kruste einen Hauch von Teig umhüllt.
Die sowohl in Argentinien wie auch in Uruguay angebauten amerikanischen Weizensorten mit ihrem hohen Kleberanteil ermöglichen fluffige Teige die enorm aufgehen und nach nichts schmecken. Unter Brot versteht man hier eine Variante des Hamburgerbrötchens, es scheint ein Verbot zu geben, Teig durchzubacken. Brot sieht aus und isst sich, als hätte man den Teig kurz auf die Heizung gelegt und einmal gewendet. Ich war interessiert, wie Pizza schmeckt, die ja überall angeboten wird: Eine Teigflade aus Wasser, Mehl und viel Hefe wird ausgerollt und mit einer Kelle passierter Tomaten bestrichen und etwa einen Zentimeter dick mit Muzze, dem hiesigen Mozzarella, belegt. Das Ganze schiebt man in einen lauwarmen Ofen, damit der Teig auch außen schön weiß bleibt und wenn sich die Muzze gleichmäßig verteilt hat, wird serviert. Das kann man nun entweder essen oder zu einer Art Tennisball formen. Salz wird in homöopathischen Dosen verwendet, Pfeffer oder andere Gewürze gleich gar nicht.
Den Umgang mit Rindfleisch hatte ich schon beschrieben, bei Schweinefleisch ist das anders. Beispielsweise werden Koteletts folgendermaßen serviert: Gefrorene Rippenstücke werden auf der Bandsäge in feine Scheiben geschnitten, auch das Kotelett. Aus einem Kotelett wie wir es kennen, werden daher drei. Nachdem man das etwa vier mm dicke durchgegarte Fleisch aus dem umlaufenden Rand von Fett und Kochen gelöst hat, kann man es entweder beherzt kauen oder einem abgelatschten Schuhabsatz aufnageln.
Lecker finde ich Empanadas. Man muss sich einen salzfreien Mürbteig vorstellen, der zumindest so lange im Ofen war, dass die Glasur aus Eigelb genügend Zeit hatte zu stocken und eine leichte Bräunung zu verursachen. Angeboten werden viele tolle, wohlschmeckende Füllungen aus Hackfleisch, Hühnchen, Pilzen, Käse, Schinken Gemüse, Oliven und das alles auch in unzähligen Kombinationen.
Im Restaurant reicht man wirklich feine, in Öl getränkte, getoastete Brotstreifen. In den Backshops werden an Baguettes erinnernde Stangenbrotteiglinge aufgebacken. Sie schmecken wie die bei uns von der Billigtanke und kommen vermutlich ebenso aus China.
Heute war Baustellentag. Wir haben in einer Stunde mehr Baustellen gesehen als im ganzen Rest unserer Zeit in Montevideo. Um uns noch einmal mit wirklich feinen glutenfreien Backwaren einzudecken, ehe es morgen weiter geht, haben wir dieses Mal eine andere Route genommen. Die Bäckerei hatten wir bereits am ersten Tag entdeckt und heute waren wir das dritte Mal dort.
Inmitten der Altstadt roch es seltsamerweise immer wieder sehr stark nach Lagerfeuer. Am späten Vormittag, und in der Nähe war immer eine Großbaustelle. Da wurde also schon mal für die Glut gesorgt, damit man sich in der Mittagspause was auf den Grill legen kann. Mitten in der Baustelle, umringt von Abfallholz und trockenen Schalbrettern. Die Helmpflicht wird eingehalten. Es gibt ein paar schöne Fotos davon.
Das gestrige Gewitter hat Abkühlung gebracht. Bei milden 24° und leichtem Wind würde man gerne die Zeit anhalten. Sitze bereits den dritten Nachmittag in meinem Lieblingscafé in Strandnähe (für Instas: sinberretines_cafe cantina wie hier auf dem Schild steht). Die Señora verwöhnt mich, die Tortenstücke werden von Mal zu Mal größer und ihr Lachen noch freundlicher.
Morgen aus Punta del Este … Hasta mañana





























