Mittwoch, 14.1. Spät
Pósitos
Liegt an der Ostküste und hat einen schönen Sandstrand. Dieser Teil geht auch offen zum Atlantik hinaus und wir sehen das erste Mal so etwas wie kleine Wellen.
Schon die Anfahrt mit dem Linienbus zeigt, dass wir in eine andere Welt abtauchen, kaum dass wir die Hauptstraße, die Ava. De 18 de Julio, überquert haben. Sie teilt die Stadt gewissermaßen in Ost und West und hier im Osten glaubt man sich an der spanischen Küste. Erst das „Scho vengo“ im Café holt einen wieder zurück nach Uruguay. Und die Autokennzeichen, die nicht in spanische Städte passen.
Die meisten der 10 stöckigen Residencias und Apartmenthäuser sind maximal 30 Jahre alt. In den Straßen spenden hohe Platanen Schatten. In zehn Gehminuten um den Block durch 4 Straßen habe ich ein knappes Dutzend Friseursalons gezählt. Es gibt eine Kleintierklinik, zwei Tierfuttergeschäfte, drei Hundesalons, ein Restaurant, eine Sushibar, aber erst zum Schluss fand ich ein kleines, nettes Café mit Bäckerei. Mit richtig gutem, kolumbianischem Kaffee. Was eine Seltenheit ist. Wer glaubt, dass die vielen italienischen Migranten Kaffeekultur hierher gebracht hätten, dem sei gesagt: es ist nicht so. Meist erhält man eine an Malzkaffee erinnernde Plörre, die mit Schlagsahne, Milch oder zu hart wie Butter geschlagener dulce de leche (Kondensmilch) aufgepimpt wird. In den hippen Cafés im Univiertel geht es noch einigermaßen. Dafür bekommt man dort diese lächerlichen instagramable Herzchen und andere Motive auf den Schaum gezaubert. Ich sehne mich nach einem echten Espresso. Am liebsten wäre mir eine neapolitanische Mischung, ein Passalaqua oder ein Kimbo.
Es ist 18h, das Hauspersonal verlässt die Residencias, bei Zigarette und Mate lassen die Kolleginnen den Tag revuepassieren und warten darauf von ihren Männern abgeholt zu werden.
In diesem Rentnerparadies gibt es anstatt Muckibude ein kleines Studio für Basistraining. Hier ist selbst der Obststand klimatisiert; es stinkt noch nicht einmal nach Geld, es ist einfach nur satt und zufrieden. Und ohne Graffitis.
Für einen Flat-white und ein Hörnchen habe ich 650 Pesos hingeblättert. Dafür saß ich an der Straße auf einer 20-Euro Klappsitztischkombination. Diese ca. 14,5 Euro (650 Pesos) bezahlt man auch in Baden-Baden, oben am Marktplatz in edlem Ambiente mit allerlei chi-chi für einen Cappuccino mit einem Stück Torte.
Am Wochenende geht es für zwei Tage nach Punta del Este, man spricht von noblem Seebad.












